Florian Wellbrock hat bei den European Aquatics Championships in Paris die Goldmedaille im 10-Kilometer-Freiwasserschwimmen der Männer gewonnen. Der Deutsche siegte in einer offiziellen Zeit von 1:55:18,3 Stunden.
Offizielle Siegerzeit von Florian Wellbrock im 10-km-Rennen.
Silber ging an den Ungarn David Betlehem, der in 1:55:20,5 Stunden das Ziel erreichte. Bronze sicherte sich der Deutsche Oliver Klemet, der bei den Olympischen Spielen zuvor Silber gewonnen hatte, mit einer Zeit von 1:55:24,8 Stunden.
Das 10-Kilometer-Rennen fand unter deutlich besseren Bedingungen statt als bei den Olympischen Spielen zuvor in Paris: weniger Strömung, wärmeres und saubereres Wasser. Ausgetragen wurde das Rennen auf einem Seitenarm der Seine nahe dem Eiffelturm.
Rein physisch hätte ich nicht gewinnen dürfen, das war eine mentale Meisterleistung.
Wellbrock selbst ordnete seinen Sieg als mentale Meisterleistung ein: „Rein physisch hätte ich nicht gewinnen dürfen, das war eine mentale Meisterleistung.“ Den EM-Titel bezeichnete er als fehlendes Puzzleteil für das Gesamtbild.
Für Wellbrock gibt es unterschiedliche Angaben, ob es sein erster EM-Titel überhaupt ist: Einige Quellen nennen diesen Sieg als seinen ersten, andere verweisen auf eine EM-Goldmedaille über 1.500 Meter Freistil im Becken vor acht Jahren in Glasgow. Zudem schwamm Wellbrock bei dieser EM in Paris nicht für die Beckenwettbewerbe: Er reist stattdessen zu den Pan Pacific Championships nach Long Beach, Kalifornien, während sein Teamkollege Oliver Klemet im Centre Aquatique Olympique im Stade de France an den Start geht.
Die Olympischen Spiele in Paris, bei denen Wellbrock in der Seine geschwommen war, liegen je nach Quelle zwei oder vier Jahre zurück. Damals hatte die deutsche Schwimmerin Leonie Beck nach ihrem Rennen unter den Wasserqualitätsproblemen der Seine gelitten. Deutsche Schwimmer hatten für die Seine-Rennen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, darunter Impfungen gegen Cholera, Typhus und Hepatitis sowie die Einnahme von Darmbakterien.
Bundestrainer Bernd Berkhahn lobte die neuen Wettkampfbedingungen: Die neue Rennstrecke habe deutlich weniger Strömung und sei für die Athleten viel angenehmer. Bei den Frauen gewann die Italienerin Ginevra Taddeucci das 10-Kilometer-Rennen vor der Ungarin Viktória Mihályvári-Farkas und der Italienerin Linda Caponi.
Wellbrock blickt auf eine erfolgreiche Freiwasser-Karriere zurück: vier Freiwasser-Weltmeistertitel bei den Weltmeisterschaften in Singapur und Olympiagold im Freiwasserschwimmen in Tokio 2021. Bereits zuvor hatten die deutschen Wasserspringer in Paris Erfolge gefeiert: Lou Massenberg und Jonathan Schauer gewannen Gold im Synchronspringen vom 3-Meter-Brett, und Moritz Wesemann verteidigte seinen EM-Titel vom 1-Meter-Brett – Deutschlands erste Goldmedaille in Paris.