Auf einer Fläche von etwa 100 Quadratmetern auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus in Erfurt führt das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie im Auftrag der Stadt Untersuchungen durch. Bereits kurz nach Beginn der archäologischen Ausgrabungen zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Erfurt wurden erste Mauerreste freigelegt.
Das betreffende Gebiet in der Erfurter Altstadt gehörte von 1354 bis 1454 zum Zentrum der zweiten jüdischen Gemeinde der Stadt. Die Funde deuten darauf hin, dass sich an dieser Stelle im Mittelalter ein jüdisches Tanzhaus, Wohnhäuser und ein Gemeinschaftsbrunnen befanden. Das Tanzhaus wurde nach aktuellem Stand für Hochzeiten und andere Feierlichkeiten genutzt.
Die Archäologen haben bereits einen Teil der Ostwand des Tanzhauses ausgegraben. Karin Sczech vom UNESCO-Team Erfurt teilte mit, dass zwei Tage nach Beginn der Grabungen auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus unbekannte Strukturen entdeckt wurden.
Zeitraum, in dem das Gebiet das Zentrum der zweiten jüdischen Gemeinde in Erfurt bildete.
Die aktuellen Arbeiten werden voraussichtlich bis Mitte September andauern. Nach Abschluss der Grabungen wird das Areal wieder aufgefüllt, sodass der Parkplatz bis Ende September oder Anfang Oktober in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden kann.
Zukünftige Projekte und Ausbau
Die Stadt Erfurt plant, an dem Standort ein Besucher- und Informationszentrum für das jüdische mittelalterliche Erbe zu errichten. Dieses geplante Zentrum soll einen Ausstellungsbereich für Sonderausstellungen, ein neues Gemeindezentrum für die jüdische Staatsgemeinschaft sowie ein jüdisches Restaurant umfassen.
Wir wollen so die jüdische Geschichte weitererzählen.
Nach Angaben der UNESCO-Weltkulturerbe-Beauftragten Karin Sczech sind für das nächste Jahr weitere Grabungen geplant, um die Funde zur Siedlung der zweiten jüdischen Gemeinde Erfurts zu klären.
Bereits in den 1990er Jahren fanden während des Baus des Parkplatzes umfangreiche Ausgrabungen statt, die jedoch nur kurzzeitig dokumentiert wurden. Im Jahr 2023 wurden die Alte Synagoge, die mittelalterliche Mikwe und das Steinerne Haus in Erfurt von der UNESCO in die Welterbeliste aufgenommen, um das jüdisch-mittelalterliche Erbe zu dokumentieren.