Eine Untersuchung der Universitäten Milano-Bicocca und Brescia hat ergeben, dass eine frühe Nutzung von Social Media die schulischen Leistungen negativ beeinflusst. Die Studie mit dem Titel 'Longitudinal effect of early social media use on standardized learning outcomes during school career' wurde in der Fachzeitschrift Nature Human Behaviour veröffentlicht.

Im Rahmen der Analyse wurden Daten von 5.227 Schülerinnen und Schülern aus Norditalien ausgewertet. Dabei wurde festgestellt, dass Lernende, die bereits in der 6., 7. oder 8. Klasse Social-Media-Konten erstellten, in Mathematik sowie in ihrer Muttersprache Italienisch deutlich schlechtere Leistungen erbrachten als spätere Nutzer.

6 Monate

Lernverlust bei Schülern, die in der 6. Klasse mit Social Media begannen, im Vergleich zu Schülern, die in der 9. Klasse begannen.

Der Lernverlust bei Schülern, die die Nutzung in der 6. Klasse aufnahmen, ist vergleichbar mit sechs Monaten Unterricht. Bei einigen Schülern war der negative Effekt auf die Leistungen in Mathematik und Italienisch in der 10. Klasse ausgeprägter als in der 8. Klasse. Zudem wird die frühe Nutzung mit einem höheren Risiko für das Wiederholen von Klassen sowie einer geringeren Wahrscheinlichkeit für sehr gute Abschlussnoten in Verbindung gebracht. Die Studie verknüpft den frühen Social-Media-Konsum zudem mit einer geringeren akademischen Selbstwirksamkeit.

Smartphone-Nutzung und Sprachkompetenz

Ein zentraler Faktor für die negativen Lerneffekte ist die ständige Nutzung des Smartphones, insbesondere während der Hausaufgaben, vor dem Schlafen oder direkt nach dem Aufwachen. Zwischen 15 % und 47 % des negativen Leistungseffekts lassen sich direkt auf die Mobiltelefonnutzung zu kritischen Tageszeiten zurückführen. In der untersuchten Stichprobe besaßen 98 % der Schüler in Norditalien bis zum Ende der 8. Klasse ein eigenes Smartphone.

Keine signifikanten negativen Auswirkungen auf die Englischkenntnisse in den Bereichen Lesen und Hören wurden bei frühen Social-Media-Nutzern festgestellt. Die Forscher führen das Ausbleiben negativer Effekte bei Englisch darauf zurück, dass der hohe Anteil an englischsprachigen Inhalten auf den Plattformen einen kompensatorischen Lerneffekt bewirken kann.

Politische und regulatorische Forderungen

Die Forscher empfehlen, den Zugang zu sozialen Netzwerken politisch und regulatorisch so lange wie möglich hinauszuzögern. Sie schlagen einen mehrstufigen Ansatz vor, der die Durchsetzung von Mindestaltern, die Einschränkung von Algorithmen zur Maximierung der Aufmerksamkeitsspanne sowie die Unterstützung von Eltern und Lehrkräften bei der Etablierung von Regeln umfasst. Bestehende rechtliche Richtlinien, wie etwa das Alter für die autonome Plattformnutzung gemäß der DSGVO, seien in der Praxis weitgehend unwirksam und wurden ignoriert.


In Italien liegt das gesetzliche Mindestalter für die eigenständige Nutzung digitaler Plattformen bei 14 Jahren. In Deutschland spricht sich die Familienministerin Karin Prien für eine gesetzliche Altersgrenze von 13 Jahren für die eigenständige Social-Media-Nutzung aus. Eine Umfrage des MDR-Tools 'MDRfragt' ergab zudem, dass 83 % der Befragten eine Altersgrenze von 16 Jahren für soziale Medien befürworten.