Die TV- und Eventköchin Verena Leister, Pächterin des Imbiss- und Bootsvermietbetriebs „Wanderrast“ am Amselsee bei Rathen, wird alle Spendengelder an die Spender zurückgeben. Grund dafür seien Online-Belästigungen und Vorwürfe, die sie als „extreme Shitstorm-Welle“ beschrieb. Laut Leister seien die Belästigungen „einer zu viel“ gewesen.

Ein schweres Unwetter am Freitag verursachte umfangreiche Schäden am Betrieb „Wanderrast“ sowie an 30 Ruderbooten am Amselsee. Auch die Felsenbühne Rathen erlitt durch das Unwetter Schäden. In Sachsen forderte das Unwetter ein Todesopfer und verletzte zehn weitere Personen.

Leister gab an, dass ihr Spendenaufruf auf Instagram 1,9 Millionen Aufrufe erzielt habe. Ursprünglich hatte sie erwartet, zwischen 25.000 und 40.000 Euro zu sammeln. Nach Erreichen des Ziels von rund 200.000 Euro wurde der Spendenlink geschlossen. Im Anschluss hatte sie dazu aufgerufen, Spenden für die Gemeinde Rathen zu leisten.

200.000 Euro

Erzielte Spendensumme innerhalb eines Tages für den Wiederaufbau der „Wanderrast“.

Die Schäden am Gebäude seien schlimmer, als sie von außen erschienen. Zwei Bäume hätten das Dach der „Wanderrast“ durchbrochen und das Fundament sei beschädigt.

In dem beschädigten Gebäude konnten Leister und ihr Partner lediglich die Kassensoftware für steuerliche Zwecke sichern. Das Gebäude selbst ist eine 90 Jahre alte Hütte, die Leister vom Vermieter übernommen hat. Im Jahr 2024 investierten sie den Gegenwert eines Mittelklassewagens in die Renovierung der Küche und des Imbissbereichs.

Laut dem Mietvertrag würde Leister bei einer Rückkehr zum Vermieter die Hütte nur im ursprünglichen Zustand erhalten. Die privaten Ersparnisse der Familie seien fünf Wochen zuvor in den Kauf der Pension „Rosengarten“ in Rathen geflossen, die im nächsten Jahr eröffnen soll. Leister und ihr Geschäftspartner streben an, das Projekt der Pension ohne Kredite zu finanzieren.

Langfristige Folgen und Ausblick

Der Betrieb „Wanderrast“ und der Bootsvermietung bleiben auf unbestimmte Zeit geschlossen. Eine Wiedereröffnung bis Ostern 2027 sei unter den aktuellen Umständen nicht realistisch möglich. Der Betrieb werde abwarten, welche öffentliche oder andere Unterstützung verfügbar wird, und den Wiederaufbau gegebenenfalls Schritt für Schritt mit eigenen Mitteln vorantreiben.

Aufgrund der Gefahr durch herabstürzende Bäume hat die Sachsenforst die Waldzugänge rund um Rathen komplett gesperrt. Wegen der engen Zufahrtswege könne nur eine begrenzte Anzahl an Freiwilligen vor Ort arbeiten, um Trümmer zu beseitigen.

Leister betonte, dass sie bereit sei, überschüssige Mittel, die über den Bedarf des Wiederaufbaus hinausgehen, anderen Betroffenen wie der Bergwacht Sachsen zukommen zu lassen. Sie sei offen dafür, ihre Reichweite zur Unterstützung weiterer Spendenkampagnen zu nutzen.


Die Region um den Amselsee und die nahegelegene Bastei sind touristische Ziele, die jährlich über eine Million Besucher anziehen. Rathen gilt als die inoffizielle „Hauptstadt“ der Sächsischen Schweiz.