Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) hat davor gewarnt, dass der Rhein aufgrund anhaltend niedriger Wasserstände für die wirtschaftliche Nutzung effektiv in zwei Teile getrennt werden könnte. Diese Einschätzung basiert auf den anhaltend niedrigen Wasserständen und den daraus resultierenden Einschränkungen für die Schifffahrt.
Jens Schwanen, Hauptgeschäftsführer des BDB, erklärte am Montag gegenüber der Rheinischen Post, dass für den Lauf der Woche erstmals ein einstelliger Wasserstand am Pegel Kaub prognostiziert werde. Der Grund dafür sei der ausbleibende Regen. Der Pegel Kaub, der zwischen Koblenz und Mainz liegt, gilt als wichtiger Referenzwert für die Rheinschifffahrt.
Die Sorge des Verbandes konzentriert sich besonders auf den Abschnitt bei Kaub, da das Fahrwasser dort relativ flach ist. Bei den erwarteten Wasserständen wäre die gewerbliche Schifffahrt in dieser Region nicht mehr in der Lage, Gütertransporte durchzuführen. Dies gelte gleichermaßen für die Tagesausflugs- und Kreuzfahrtschifffahrt.
Zwei getrennte Schifffahrtsgebiete
Schwanen zufolge würde das Niedrigwasser zur Entstehung zweier separater Schifffahrtsgebiete führen. Eines würde die Nordseehäfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen über den Rhein und das westdeutsche Kanalnetz mit der Region Köln verbinden. Das andere Gebiet läge weiter südlich an den Nebenflüssen Neckar, Mosel und Main sowie am Main-Donau-Kanal.
Der Main-Donau-Kanal wird als international bedeutende Verbindung auf der Route nach und aus Südosteuropa sowie zum Schwarzen Meer betrachtet. Eine Unterbrechung oder Einschränkung dieser Route hätte daher weitreichende Folgen für den grenzüberschreitenden Verkehr.
Auswirkungen und Gegenmaßnahmen
Niedrige Wasserstände zwingen Schiffe dazu, deutlich weniger Fracht zu laden. Dies erhöht die Transportkosten und belastet insbesondere Industriezweige, die auf den Transport von Massengütern angewiesen sind. In vielen Teilen Deutschlands führten anhaltende Dürreperioden bereits zu niedrigen Wasserständen in den großen Flüssen. Am Wochenende wurden am Rhein in Nordrhein-Westfalen historische Tiefststände gemessen.
Als Reaktion auf die Krise begrüßte der BDB-Hauptgeschäftsführer weitere geplante Krisengespräche mit dem deutschen Bundesverkehrsministerium. Schwanen gab an, dass am selben Montag bereits Optionen für eine verstärkte Nutzung des Straßen- und Schienenverkehrs diskutiert wurden.
Um solche Einschränkungen zumindest zu vermeiden, setzte sich Schwanen dafür ein, Baumaßnahmen zu verschieben. Ausstehende Bauarbeiten an Straßen, Schienenwegen und Wasserstraßen sollten am folgenden Mittwoch überprüft werden.