Ein neuer Zinsentscheid der US-Notenbank Fed steht bevor. An diesem Mittwoch endet die zweitägige Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC). Fed-Chef Kevin Warsh, der seit zwei Monaten im Amt ist, muss entscheiden, ob er eine weitere Zinserhöhung vorantreibt oder die Leitzinsen unverändert lässt.

Die Erwartungen an den Zinsentscheid sind gespalten. Marktindikatoren wie der CME FedWatch zeigen eine Wahrscheinlichkeit von etwa 34 Prozent, dass die Fed den Leitzins am Ende der Sitzung anhebt. Vor einer Woche lag dieser Wert noch bei 16 Prozent.

Hintergrund der Unsicherheit ist eine erneute Eskalation der Lage im Persischen Golf. Nach einer Feuerpause zwischen Iran und den USA haben Ölpreise und langfristige Anleiherenditen wieder angezogen. Der Brent-Ölpreis war kurzzeitig über 100 Dollar pro Barrel gestiegen, notierte am Montag aber wieder unter 89 Dollar. Diese Entwicklung erschwert die geldpolitische Lageeinschätzung.

Widersprüchliche Signale kommen auch von anderen Notenbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ die Zinsen vergangene Woche unverändert. EZB-Präsidentin Christine Lagarde argumentierte, man dürfe schnelle Schwankungen der Ölpreise nicht überinterpretieren, solange der Konflikt ungelöst sei.

Die jüngsten Inflationsdaten geben kein eindeutiges Bild. Der Verbraucherpreisindex (CPI) stieg im Juni um 3,5 Prozent im Jahresvergleich. Vor allem die Preise für Wohnen und Nahrungsmittel stiegen weiter. Die Fed selbst strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Warsh selbst betonte, die Notenbank teile das entschlossene Bekenntnis zur Wiederherstellung der Preisstabilität.

Wie die Fed kommuniziert, ist in den vergangenen Jahren ein komplexes Thema gewesen. In der Vergangenheit hatte die Fed Zinsänderungen meist vorab signalisiert. Im Juni beispielsweise endete die letzte Sitzung mit einer deutlich kürzeren Erklärung, und Warsh gab keinen Ausblick auf die künftigen Zinsen. Beobachter wie die Investmentbank Evercore ISI weisen darauf hin, dass es ungewöhnlich wäre, direkt nach der verbesserten Inflationsentwicklung im Juni die Zinsen anzuheben, da im September ein einfacherer Weg für eine Erhöhung bestehe.

Auch die Lage an den Finanzmärkten spielt eine Rolle. Der S&P 500 ist seit Jahresbeginn um zehn Prozent gestiegen. Kalshi-Händler wetten mit 74-prozentiger Wahrscheinlichkeit darauf, dass Warsh in seiner Pressekonferenz das Wort "Öl" erwähnen wird. Die Fed veröffentlicht ihre Entscheidung am Mittwoch um 14:30 Uhr Ortszeit.