Die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) haben vereinbart, ein Schlichtungsverfahren zur Beilegung ihrer anhaltenden Arbeitskonflikte einzuleiten. Beide Seiten haben eine entsprechende Verfahrensvereinbarung unterzeichnet.
Parallel dazu wird ein Mediationsprozess gestartet, der grundlegende Fragen zu den Entwicklungsperspektiven einzelner Flugbetriebe, insbesondere der Kernmarke Lufthansa, abdecken soll. Die VC hat ihre Mitglieder darüber informiert, dass Lösungen für die offenen Tarifkonflikte nun über die Schlichtung gesucht werden.
Der Weg zur Schlichtung war von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Im April wurde eine mögliche Schlichtung bereits diskutiert, doch Lufthansa und die VC konnten sich damals nicht auf Rahmenbedingungen einigen. Die Gewerkschaft warf der Lufthansa vor, einen finanziellen Gewinn für die Piloten grundsätzlich ausgeschlossen zu haben.
Aus der Lufthansa-Zentrale bestand der Verdacht, die Gewerkschaft wolle mindestens einen Tarifkonflikt offen halten, um bessere Streikmöglichkeiten zu wahren. Die Gewerkschaft lehnte zudem die Forderung der Lufthansa ab, nicht nur offene Konflikte, sondern auch bestehende Tarifverträge neu zu verhandeln.
Die offiziellen Streitpunkte zwischen der VC und der Lufthansa betreffen die Höhe der Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge für Piloten der Kernmarke und von Lufthansa Cargo, das separate Rentensystem bei Eurowings sowie einen Vergütungstarifvertrag für Piloten der Einheit Lufthansa Cityline.
Im Frühjahr kam es rund um den 100. Geburtstag der Lufthansa zu größeren Streiks. Auch die Flugbegleitergewerkschaft UFO rief im April zu Streiks auf, was zu einer Streikwoche führte. Die Pilotenstreiks dauerten insgesamt sieben Tage.
Als Reaktion auf die Streiks im April stellte die Lufthansa den Flugbetrieb der Cityline ein und zog das bereits geplante Ende des Betriebs abrupt vor. Gewerkschaftsvertreter ärgern sich darüber, dass die Lufthansa neue Betriebseinheiten wie die fast gleichnamige Lufthansa City Airlines mit schlechteren Arbeitsbedingungen geschaffen und Verkehr dorthin verlagert hat.
Die Piloten fordern Entwicklungsperspektiven für den Lufthansa-Kernbetrieb; der Konzern macht diese von der steigenden Wettbewerbsfähigkeit der Kernmarke abhängig. Während des Verfahrens hat die Lufthansa ausgeschlossen, dass weitere Flugzeuge für die Übertragung an neue Betriebseinheiten vorgesehen werden.
Beide Seiten haben sich auf ein komplexes Verfahren für die Schlichtung geeinigt. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO äußerte derweil die Hoffnung, ohne weitere Eskalation zu einer Einigung kommen zu können.