Niedrige Wasserstände auf dem Rhein erhöhen die Transportkosten und treiben die Kraftstoffpreise an Tankstellen in die Höhe, insbesondere in Westdeutschland.
Im Juli erreichten die regionalen Preisunterschiede an deutschen Tankstellen bis zu 11 Cent pro Liter bei E5-Benzin und bis zu 10 Cent bei Diesel. Das Bundeskartellamt schrieb diese regionalen Unterschiede primär variierenden Beschaffungskosten zu.
Transportkosten für Güter per Tanker von Rotterdam nach Karlsruhe (Anstieg gegenüber Ende Juni).
Die Kosten für den Transport von Gütern mittels Tanker und Binnenschiffen von Rotterdam nach Karlsruhe stiegen auf etwa 150 bis 160 Euro pro Tonne, verglichen mit etwa 45 Euro Ende Juni.
Pegelstände erreichen historische Tiefstände
Am Dienstag wurde am Engpass Kaub in Rheinland-Pfalz ein Wasserstand von 24 Zentimetern gemessen, was dem historischen Tiefstand aus dem Oktober 2018 entspricht. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) prognostizierte, dass der Wasserstand in Kaub bis Samstag auf 17 Zentimeter sinken könnte.
Am Freitagnachmittag betrug der Wasserstand des Rheins in Köln 71 Zentimeter, was mehr als zwei Meter unter dem durchschnittlichen Jahreswasserstand liegt. Markus Neumann vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Köln gab an, dass ein vorbeifahrendes Frachtschiff nur 1.500 Tonnen statt seiner Kapazität von 3.500 Tonnen geladen habe.
Die Situation ist in der Tat sehr dramatisch.
Roberto Spranzi, Vorstandsmitglied der Schifffahrtsgenossenschaft DTG, erklärte, dass einige Schiffe nur mit 20 Prozent ihrer Kapazität operieren, was vier bis fünf mal so viele Schiffe wie üblich erfordere. Das Chemieunternehmen Evonik teilte mit, dass der niedrige Wasserstand den Binnenschiffstransport zum und vom Chemiepark Marl erschwere, weshalb eine Verlagerung auf die Schiene oder die Straße geprüft werde.
Wirtschaftliche Warnungen und politische Debatte
Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft warnte, dass die niedrigen Wasserstände das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,1 bis 0,2 Prozent verringern könnten. Die Wirtschaftsexpertin Valerie Haller von der ZDF sagte: „Wenig Wasser bedeutet höhere Kosten“.
Eine Vertiefung der Fahrrinne von Basel bis Rotterdam ist keine Option.