Der Energiekonzern Uniper will künftig mit dem Betrieb von Rechenzentren Geld verdienen. Das Unternehmen hat nach Angaben von CEO Michael Lewis mehr als zehn Standorte mit geeigneter Infrastruktur an seinen Kraftwerken identifiziert, um dort Datenzentren anzusiedeln.
Als Engpass für den Bau neuer Rechenzentren machte Lewis die Netzanschlüsse aus. Bereits jetzt ist das Unternehmen in diesem Bereich aktiv: Ein Projekt im Vereinigten Königreich wurde abgeschlossen, zwei weitere Projekte in Deutschland befinden sich in der Entwicklung. Weitere Investitionsentscheidungen sollen noch im laufenden Jahr fallen.
Finanziell legte Uniper im ersten Halbjahr zu. Das bereinigte EBITDA stieg um fast 90 Prozent auf 711 Millionen Euro. Der bereinigte Gewinn annähernd verdreifachte sich auf 388 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern ein bereinigtes EBITDA zwischen 1,1 und 1,3 Milliarden Euro sowie einen bereinigten Nettogewinn von 500 bis 600 Millionen Euro.
Das Geschäft war jedoch durch eine ungeplante Abschaltung eines Kernkraftwerks in Schweden belastet. Zudem wirkten sich außergewöhnlich niedrige Wassermengen negativ auf das Wasserkraftgeschäft aus, wie Finanzvorstand Christian Barr erläuterte.
Wasserstoffkraftwerke und Marktposition
Parallel dazu treibt Uniper den Ausbau wasserstofffähiger Kraftwerke voran. Im ersten Ausschreibungsverfahren bietet das Unternehmen Anlagen mit einer Kapazität von 1,7 Gigawatt an den Standorten Gelsenkirchen-Scholven und Staudinger an. Eine Entscheidung soll im November fallen, die Fertigstellung ist bis Anfang 2031 geplant.
Uniper ist der größte Betreiber von Gasspeichern in Deutschland und betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Deutschland, Großbritannien und Schweden. Der deutsche Staat ist alleiniger Eigentümer des Konzerns, nachdem er 2022 nach dem Ausfall russischer Gaslieferungen Milliardenhilfen zur Rettung des Unternehmens bereitgestellt hatte. Ein Verkaufsprozess wurde eingeleitet.
Auch andere Energieversorger drängen in den Markt für Rechenzentren. Der Konkurrent RWE entwickelt derzeit an etwa zehn eigenen Industriestandorten entsprechende Projekte.