Ein 30-jähriger Mann ist in Berlin nach einem Schusswaffeneinsatz tödlich verletzt worden. Die Tat ereignete sich am Sonntagabend kurz vor Mitternacht auf dem Hardenbergplatz im Bezirk Charlottenburg, direkt vor dem Bahnhof Zoologischer Garten.

Nach Angaben der Polizei ging dem Vorfall ein Streit mit mehreren Beteiligten voraus. Aus dieser Gruppe heraus wurden Schüsse auf den 30-Jährigen abgegeben. Rettungskräfte versuchten vor Ort, den Mann wiederzubeleben, doch er verstarb an der Unfallstelle. Ein Polizeisprecher bestätigte den Tod des Opfers über die Plattform X.

Die Tatverdächtigen flüchteten nach der Schießerei in einem Fahrzeug und sind weiterhin auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigte die Umstände der Tat. Die Mordkommission des Landeskriminalamts hat die Ermittlungen wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts aufgenommen. Die Motive und der genaue Hintergrund des Streits sind noch unklar.

Der Vorfall fällt in eine Phase zunehmender Schusswaffengewalt in der Hauptstadt. Im Jahr 2025 registrierte die Berliner Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch. Das entspricht einem Anstieg von 68 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024. In mehr als 500 dieser Fälle wurden tatsächlich Schüsse abgefeuert.

Weitere Vorfälle am Wochenende

Bereits am Freitagabend war ein 22-jähriger Mann im Graefekiez in Kreuzberg durch Schüsse schwer verletzt worden. Er musste notoperiert werden und überlebte. Die Polizei geht bei diesem Angriff von einem Konflikt im sogenannten Clan-Milieu aus. Zudem gab es in jüngster Zeit Schüsse auf ein Restaurant in Neukölln und einen Schnellimbiss in Mariendorf.

Im Januar 2025 war ein 44-jähriger Mann in Weißensee erschossen worden. Dies war bis zur Tat am Hardenbergplatz der einzige tödliche Schusswaffeneinsatz in Berlin in diesem Jahr. Gegen drei beschuldigte Brüder läuft derzeit ein Prozess, wobei Blutrache als Motiv vermutet wird. Insgesamt verzeichnete die Berliner Polizei in den Jahren 2024 und 2025 neun Todesfälle durch Schusswaffen.

Forderungen nach neuen Ermittlungsmethoden

Angesichts der Entwicklung hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor einer besorgniserregenden Lage gewarnt. Der Landesvorsitzende Stephan Weh forderte neue digitale Instrumente für die innere Sicherheit. Er verwies auf London, wo Videoüberwachung und biometrische Gesichtserkennung in Echtzeit eingesetzt werden. In Berlin ist die live-Gesichtserkennung trotz verschärfter Polizeigesetze bisher nicht erlaubt.

Kriminologe Klaus von Lampe führte die vielen Schusswaffeneinsätze auf Unruhe im kriminellen Milieu zurück. Territoriale Auseinandersetzungen hält er jedoch für unwahrscheinlich. Die Polizei hat die Öffentlichkeit zur Mithilfe aufgerufen und Zeugen gebeten, sich zu melden.