Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan am 15. August 2021 wurden die Rechte von Mädchen und Frauen massiv eingeschränkt. Nachdem die Taliban die Hauptstadt Kabul nach einer Blitzoffensive eingenommen hatten, verließen afghanische Frauen laut einem Bericht von UN Women ihr Zuhause kaum noch.
Die Umfrage von UN Women, die in zwei Runden mehr als 2.000 Personen landesweit als repräsentative Gruppe befragte, zeigt deutliche Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Regionen. Während 96 Prozent der befragten Männer das Haus täglich verlassen, ist dies bei Frauen kaum noch der Fall.
Der befragten Frauen verließen ihr Zuhause nur zweimal oder seltener pro Monat.
Einschränkungen im Alltag und im Beruf
Laut der Befragung mussten 90 Prozent der Frauen die Erlaubnis eines männlichen Familienmitglieds einholen, bevor sie das Haus verlassen konnten. Zudem sind Mädchen und Frauen in Afghanistan von der Teilnahme an Sekundarschulen und Universitäten ausgeschlossen. Auch im Berufsleben werden Frauen zunehmend verdrängt.
65 Prozent der befragten Frauen gaben an, dass sich ihre Lebensumstände nach der Machtübernahme der Taliban schlechter entwickelt haben, als sie es erwartet hatten. Als Gründe für die verschlechterten Aussichten nannten die Frauen die massiven Einschränkungen beim Zugang zu Bildung für sich selbst und ihre Kinder.
Auch die Perspektive der jüngeren Generation ist geprägt von Skepsis gegenüber der Ausbildung. Befragte Töchter gaben häufiger an, Bildung als Sackgasse zu sehen, mit der Aussage: „Meine Mutter hat studiert, ist damit aber nirgends hingekommen.“
Psychische Belastungen und Zukunftshoffnungen
Die Einschränkungen wirken sich auch auf das Wohlbefinden aus. Sieben von zehn befragten Frauen gaben an, dass sich ihre psychische Gesundheit im vergangenen Jahr verschlechtert habe, und sie gaben an, sich mental schlecht oder sehr schlecht zu fühlen. In zusätzlichen Interviews führten die Frauen ihre psychischen Probleme auf die bestehenden Einschränkungen zurück.
Trotz der Lage bleiben viele Frauen mit Zielen verbunden. Als ihre wichtigsten Lebensziele nannten die meisten Frauen Gleichberechtigung, gefolgt von eigenem Einkommen und einem eigenen Haus. 68 Prozent der befragten Frauen gaben an, weiterhin hoffvoll zu sein, diese Ziele irgendwann zu erreichen.
Humanitäre Krise in Afghanistan
Zusätzlich zu den Einschränkungen für Frauen erlebt Afghanistan eine massive humanitäre Krise. Laut dem Welternährungsprogramm waren im ersten Quartal dieses Jahres 47 Prozent der Minderjährigen in Afghanistan unterernährt. Die Situation wird durch unterfinanzierte internationale Hilfsprogramme, schlechte Ernten aufgrund von Dürren und fast 5.9 Millionen Rückkehrer seit September 2023 verschärft.