Das Bundeskabinett hat am 12. August eine neue Rentenvorsorge für Kinder beschlossen: die „Frühstartrente“. Sie sieht vor, dass der Staat für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr monatlich zehn Euro auf ein zertifiziertes Altersvorsorgekonto einzahlt – bis zum 18. Geburtstag.

Die Frühstartrente soll für Kinder gelten, die ab 2020 geboren wurden. Die Zahlungen sollen rückwirkend zum 1. Januar 2026 beginnen. Ab dem Jahr 2027 sollen jährlich die Kinder hinzukommen, die in dem jeweiligen Jahr sechs Jahre alt werden.

10 Euro pro Monat

So viel zahlt der Staat pro Kind in die Frühstartrente ein – bis zum 18. Lebensjahr ergibt das insgesamt 1.440 Euro.

Eltern oder Großeltern können freiwillig bis zu 6.840 Euro pro Jahr in das Konto einzahlen. Diese Beiträge erhalten jedoch keine zusätzlichen Steuervorteile. Das Bundesfinanzministerium begrenzt die tatsächlichen Kosten der Verträge auf ein Prozent; bis zum 18. Lebensjahr dürfen keine Abschluss- oder Vertriebsgebühren anfallen.

Der Zuschuss wird automatisch über den Anbieter des Kontos beantragt. Anspruch haben alle Kinder und Jugendlichen mit Hauptwohnsitz in Deutschland. Kinder, die vor 2020 geboren wurden und noch nicht 18 sind, können ebenfalls ein Konto eröffnen – allerdings ohne staatliche Zuschüsse.

Wer kein privates Konto eröffnet, erhält die staatlichen Beiträge automatisch auf einem neu eingerichteten Bundes-Sondervermögen, das von der Bundesbank verwaltet wird. Dieses Sondervermögen legt die Beiträge breit am Kapitalmarkt an. Die Ansparer können das angesparte Kapital spätestens mit 25 Jahren auf ein eigenes zertifiziertes Konto übertragen.

Nach dem 18. Geburtstag können die Begünstigten das Konto selbst weiter besparen und jederzeit zu einem anderen Anbieter wechseln. Das angesparte Kapital darf in der Regel nicht vor dem 65. Lebensjahr ausgezahlt werden. Die Erträge aus der Sparphase bleiben steuerfrei, auch die staatlichen Zuschüsse unterliegen nicht der Einkommensteuer.

53.000 Euro geschätzt

So hoch könnte das angesparte Kapital laut Bundesfinanzministerium ohne weitere Beiträge bis zum Renteneintritt anwachsen.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sagte: „Mit der Frühstartrente geben wir jedem Kind in Deutschland ein Startkapital für die eigene Altersvorsorge.“ Er bezeichnete die Frühstartrente als „wichtigen Beitrag zu besserer Altersvorsorge und mehr Chancengleichheit“.

Laut Finanztip würden die insgesamt 1.440 Euro staatlichen Zuschüsse bei durchschnittlichen Renditen nach Kosten bis zum 18. Lebensjahr auf etwa 2.200 Euro anwachsen. Wird dieser Betrag weiter investiert, könnte er bis zum Renteneintritt auf geschätzte 25.000 Euro steigen – ohne Inflationsbereinigung, wie das Finanzportal anmerkt. Das Bundesfinanzministerium geht bei weiteren Beiträgen von höheren Summen aus: Bei zusätzlich zehn Euro monatlich wären es rund 107.000 Euro, bei 50 Euro rund 320.000 Euro.

Die IG Metall kritisierte die Frühstartrente als „Köder“, um Familien zu Fondsanbietern zu lenken, statt die gesetzliche Rente zu stärken. Auch Janis Ehling, Bundesgeschäftsführer der Linken, übte Kritik: „Kinder brauchen keine Casino-Rente, sondern die Gewissheit, dass sie nach einem langen Arbeitsleben einmal eine vernünftige gesetzliche Rente bekommen.“