Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic sucht die Zustimmung ihrer Anleihegläubiger für eine Zwischenfinanzierung in Höhe von 225 Millionen Euro, um kurzfristige Liquiditätsbedürfnisse zu decken. Damit hofft das Unternehmen, eine dauerhafte Finanzierungslösung zu erreichen. Ein für diese Woche angesetzter Anleihegläubiger-Treff, bei dem die Fluggesellschaft kurzfristige Finanzierung von den Anleihegläubigern einholen wollte, wurde mangels Beschlussfähigkeit abgesagt; der neue Termin ist der 17. August.

Drei Tage vor dem neu angesetzten Treffen am 17. August muss Air Baltic Zinszahlungen auf Darlehen leisten. Das Unternehmen hat einen Sanierungsplan vorgelegt, der Kostensenkungen und den Umtausch eines Großteils der bestehenden Anleihen in Eigenkapital vorsieht.

225 Mio. Euro

Zwischenfinanzierung, die Air Baltic zur Deckung kurzfristiger Liquiditätsbedürfnisse anstrebt.

Neuer Geschäftsplan: Stabilität vor Wachstum

Air Baltic hat am Dienstag einen Geschäftsplan vorgelegt, der vom Unternehmensrat gebilligt wurde, um die Wettbewerbsfähigkeit der lettischen Staatsfluggesellschaft zu erhalten. Das Unternehmen erklärte, der Plan priorisiere nun finanzielle Stabilität vor Wachstum und ziele darauf ab, Netz, Flotte, Kostenbasis und Kapitalstruktur an die Marktbedingungen anzupassen, während es eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Verbindungen in Lettland und den baltischen Staaten spiele.

Der bisherige Geschäftsplan, der für einen Börsengang erstellt worden war, sah ein stetiges Wachstum der Passagierzahlen und Ticketeinnahmen in den baltischen Staaten und weiteren europäischen Märkten vor und plante eine Aufstockung der Flotte auf 100 Flugzeuge. Das Geschäftsumfeld habe sich geändert, und der aktualisierte Geschäftsplan habe die Prioritäten verschoben.

Riga bleibt der Hauptdrehkreuz von Air Baltic, aber statt einer breiten Expansion will sich die Fluggesellschaft auf die Stärkung ihrer Präsenz in bestehenden Märkten konzentrieren und häufiger dort fliegen, wo Nachfrage und Rentabilität am höchsten sind.

Bis Ende dieses Jahres plant Air Baltic, rund 36 Airbus A220-300-Flugzeuge zu betreiben, gegenüber derzeit 54. Die Flotte soll bis 2031 allmählich auf etwa 40 Flugzeuge anwachsen, während die Flugzahlen weitgehend stabil bleiben sollen.

Durch betriebliche Kostensenkungen und neue Einnahmequellen will Air Baltic jährliche Einsparungen von 45 Millionen Euro erzielen. Um die Einnahmen zu erhöhen, will sich die Fluggesellschaft stärker auf die Vermietung ihrer Flugzeuge und Besatzungen an andere Fluggesellschaften konzentrieren.

Nach dem Geschäftsplan von Air Baltic sollen die Einnahmen im nächsten Jahr fast 800 Millionen Euro erreichen, 2029 dann 900 Millionen Euro und bis 2031 die Milliardenmarke übersteigen. Das Unternehmen betonte, dass der neue Geschäftsplan den täglichen Betrieb und die Dienstleistungen für Passagiere nicht beeinträchtige; alle geplanten Flüge fänden wie vorgesehen statt.

Finanzielle Lage

Air Baltic benötigt langfristige Finanzierung von bis zu 225 Millionen Euro und 100 Millionen Euro neue Eigenmittel. Der Verlust der Fluggesellschaft belief sich im vergangenen Jahr auf 44,34 Millionen Euro und war damit um ein Vielfaches geringer als 2024. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent im Vergleich zu 2024 und erreichte 779,34 Millionen Euro.

Die Fluggesellschaft plant zudem, ihre Flotte zu verkleinern und sich auf die profitabelsten Strecken zu konzentrieren, anstatt stark zu expandieren. Gleichzeitig will sie die Flugzeugvermietung ausbauen und Kosten senken.