Bei der letzten Bundestagswahl erhielt die AfD 30 Prozent der Stimmen in der Gruppe der Arbeitnehmer und belegte damit den ersten Platz in diesem Segment, so die Forschungsgruppe Wahlen.
In Gelsenkirchen teilen Andreas und Thomas eine Leidenschaft für den Fußballverein Schalke 04, sind jedoch politisch entgegengesetzte Wähler. Während der gelernte Gebäudereiniger Andreas die AfD wählt, entscheidet sich Thomas für die Partei Die Linke. Beide Parteien waren in der Vergangenheit nicht ihre Wahl; zuvor stimmten beide für die SPD.
Andreas betrachtet die AfD als die neue Arbeiterpartei. Thomas hingegen bezweifelt, dass die wirtschaftlichen und sozialen Politikvorschläge der AfD tatsächlich den Interessen der Arbeitnehmer entsprechen.
Analyse der wirtschaftspolitischen Positionen
Eine von Panorama in Auftrag gegebene Studie der Universität Tübingen kam zu dem Schluss, dass die wirtschaftlichen und sozialen Positionen der AfD nicht arbeitnehmerfreundlich seien. Die Studie ordnete die AfD auf einem politischen Spektrum zwischen der CDU/CSU und der FDP ein.
Der Politikwissenschaftler Floris Biskamp analysierte das Grundsatzprogramm der AfD sowie deren Programme für den Bundestag und die Europawahlen seit 2013. Seine Auswertung von Wahl-O-Mat-Antworten zeigt, dass die AfD seit ihrer Gründung stark marktliberal ausgerichtet ist.
AfD bei der Bundestagswahl 2025 (laut Biskamp)
In der Auswertung zur Bundestagswahl 2025 erreichte die AfD einen Wert von 92 Prozent auf der Skala des Marktliberalismus. Im Vergleich dazu erzielten die FDP 100 Prozent, die CDU/CSU 79 Prozent, das BSW 29 Prozent, die SPD und die Grünen jeweils 25 Prozent sowie Die Linke 8 Prozent. Die marktliberale Ausrichtung der AfD lag laut Biskamp im Jahr 2013 bei 89 Prozent, 2017 bei 83 Prozent und 2021 bei 71 Prozent.
Zielgruppen und wirtschaftliche Auswirkungen
Ein internes Strategiepapier des Bundesvorstands der AfD nennt 'kleine Leute', Arbeiter und Arbeitslose als Zielgruppen. René Springer identifizierte 'Heimat, Familie und Leistung' als spezifische Interessen der Arbeitnehmer.
Das Leibniz Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim stellte vor der Bundestagswahl 2025 fest, dass die Steuerpolitikvorschläge der AfD Menschen mit hohen Einkommen und Vermögen überproportional begünstigen würden. René Springer kritisierte zudem, dass Berechnungen zu den Steuervorschlägen der AfD indirekte Abgaben wie die CO2-Bepreisung nicht berücksichtigen. Er meinte, der Fokus sollte eher auf Migration und Globalisierung liegen als auf den Reichen und Vermögenden.