In Berlin sind aktuell 380 Lehrkräfte seit mindestens einem Jahr krankgeschrieben. Diese Zahl geht aus der Antwort des Berliner Senats auf eine parlamentarische Anfrage des BSW-Politikers Alexander King hervor. Von den betroffenen Personen sind 225 verbeamtet, während 155 im Angestelltenverhältnis stehen.
Innerhalb der Gruppe der langzeiterkrankten Beamten befinden sich 18 Lehrkräfte, die seit mindestens zehn Jahren nicht mehr im Dienst sind. Bei den angestellten Lehrkräften trifft dies auf fünf Personen zu. Die Daten verdeutlichen, dass ein Teil der Ausfälle dauerhaft ist und nicht nur kurzfristige Erkrankungen betrifft.
Unterschiedliche Angaben zur Dauer und Verteilung
Die detailliertere Aufschlüsselung der Erkrankungsdauern wird in den vorliegenden Berichten unterschiedlich dargestellt. Einige Quellen nennen 143 verbeamtete Lehrkräfte mit mindestens einjähriger Abwesenheit, 50 mit mindestens zweijähriger und 16 mit mindestens fünfjähriger Krankheitsdauer. Andere Darstellungen fassen die Zahlen weniger granular zusammen, was zu abweichenden Zwischensummen führt.
Nach Schulformen aufgeschlüsselt sind Grundschulen mit 98 Fällen am stärksten von Langzeitausfällen betroffen. Weiterhin werden 54 Fälle an weiterführenden Schulen, 34 an Gymnasien und 27 an beruflichen Schulen genannt.
Regionale Schwerpunkte in der Stadt
Auch zwischen den Bezirken gibt es deutliche Unterschiede. Marzahn-Hellersdorf weist mit 41 langzeiterkrankten Lehrkräften die höchste Zahl auf. Es folgen Pankow mit 39 Fällen und Lichtenberg mit 33 Fällen. In den zentraleren Bezirken Mitte (17 Fälle) sowie Spandau und Tempelhof-Schöneberg (jeweils 22 Fälle) liegen die Zahlen niedriger, bleiben aber relevant für die lokale Personalplanung.
Der Berliner Senat prüft solche Fälle durch die Zentrale Medizinische Gutachterstelle (ZMGA) beim Landesamt für Gesundheit und Soziales. Besteht keine Aussicht, dass eine verbeamtete Lehrkraft innerhalb von sechs Monaten wieder dienstfähig wird, leitet die Behörde ein Ruhestandsverfahren ein. Für diejenigen, die als Lehrkraft dienstunfähig, aber für andere Tätigkeiten geeignet sind, besteht die Möglichkeit einer beruflichen Neuorientierung. Derzeit nehmen 29 Personen an diesem Projekt teil.
In Berlin ist 97 das neue 100.
Alexander King kritisiert die aktuelle Personalpraxis scharf. Er weist darauf hin, dass eine Schule bereits als vollzählig gilt, wenn sie zu 97 Prozent mit Lehrkräften besetzt ist. King fordert daher eine Personalplanung, die eine 110-prozentige Ausstattung vorsieht, um Ausfälle abfedern zu können. Das derzeitige PKB-System (Personalbezogene Kostenbudgetierung) könne den Mangel weder quantitativ noch qualitativ ausgleichen.
Der BSW-Politiker warnt vor einer Abwärtsspirale: Der Personalmangel führe zu höherer Arbeitsbelastung für das verbleibende Personal, was wiederum weitere Krankmeldungen zur Folge habe. King betont, dass alles von der Lehrerausbildung abhänge und Berlin hier eine echte Offensive benötige. Wenn weiter auf Kante genäht werde, seien sinkende Leistungsniveaus die logische Konsequenz. Zudem macht er auf die sozialen Folgen für die Betroffenen aufmerksam, die bei einer Frühverrentung erhebliche Einkommenseinbußen und den Verlust der Hoffnung auf eine Rückkehr in ein normales Leben hinnehmen müssten.
Vergleich mit anderen Bundesländern
Das Problem ist nicht auf Berlin beschränkt, wobei vergleichbare bundesweite Zahlen aufgrund unterschiedlicher Erfassungsmethoden der Länder schwer zu ermitteln sind. In Hessen sind beispielsweise rund 225 der etwa 67.000 Lehrkräfte seit mindestens einem Jahr krankgeschrieben, davon 16 seit mehr als fünf Jahren. In Nordrhein-Westfalen lag die durchschnittliche Krankenstandsquote der Lehrkräfte im Schuljahr 2024/25 bei 8,43 Prozent, an Hauptschulen sogar bei 9,83 Prozent.
In Sachsen-Anhalt fielen im Schuljahr 2024/25 rund 8,6 Prozent des Unterrichts aus, weil keine Vertretungskräfte gefunden wurden. Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) warnte, dass der Regelunterricht im kommenden Schuljahr möglicherweise nicht garantiert werden könne, besonders in ländlichen Gebieten und in Fächern wie Biologie und Chemie.
Bundesweit wird ein Fehlbedarf von rund 27.000 voll qualifizierten Lehrkräften projiziert. Das Statistische Bundesamt berichtet, dass im Schuljahr 2024/25 bereits 35,4 Prozent der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen mindestens 50 Jahre alt waren. Die Kultusministerkonferenz erwartet einen Anstieg der Schülerzahl von knapp 11,2 Millionen im Jahr 2024 auf nahezu 11,8 Millionen bis 2032. Bis 2040 soll die Zahl bei rund 11,3 Millionen liegen. Allein in Nordrhein-Westfalen waren zum letzten Stichtag mehr als 7.770 Lehrerstellen unbesetzt.