Sebastian Krumbiegel, der Sänger der Leipziger Band Die Prinzen, hat sich für mehr Verständnis gegenüber Wählern der AfD ausgesprochen. Er betonte dabei, dass er deren Entscheidungen nicht gutheiße. Dem Musiker zufolge seien Menschen in ländlichen Regionen aufgrund mangelnder Infrastruktur oder fehlender Kneipen und Clubs oft das Gefühl zu haben, abgehängt worden zu sein.
Ich bin weit davon entfernt, jeden, der AfD wählt, zu beschimpfen.
Krumbiegel erklärte, dieses Gefühl des Abgehängtseins sei „natürlich kein Grund, rechtsaußen zu wählen“, es sei jedoch notwendig zu verstehen, warum Menschen dieses Verhalten zeigen. „Das sind ja trotz allem keine Zombies“, sagte der 60-Jährige.
Gleichzeitig distanzierte sich Krumbiegel von rassistischen und antisemitischen Positionen. Gegenüber Personen, die „rassistischen oder antisemitischen Unsinn“ verbreiten, müsse man sagen: „dem muss man sagen – bis hierhin und nicht weiter“.
Der Musiker, der für sein Engagement für Menschenrechte, Demokratie und Antifaschismus bekannt ist, rief dazu auf, Antisemitismus sowohl von rechts als auch von links sowie von der religiös-muslimischen Seite entgegenzutreten.
Warnung vor politischen Entwicklungen
Krumbiegel äußerte sich besorgt über einen weltweiten „Rückfall in nationalstaatliche und völkische Gedanken“. Er beschrieb politische Entwicklungen als „ziemlich beängstigend, und das nicht nur im Osten“. Zudem wies er darauf hin, dass der Korridor zwischen konservativen und reaktionären Einstellungen oft sehr schmal sei.
Diese Positionen legte er unter anderem im April bei einer Gedenkveranstaltung zur Befreiung des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora dar. In seiner Rede warnte er davor, dass Worte in Talkshows und Parlamenten – nicht nur von der Rechten, sondern teilweise auch von Konservativen – zum Wiederaufleben reaktionärer und antisemitischer Entwicklungen führen können.