Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat vor einem massiven Personalmangel in der medizinischen Versorgung von Minderjährigen gewarnt und eine weitere Verschärfung der Lage prognostiziert.

Bundessprecher Jakob Maske sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: „Schon etliche Stationen müssen schließen, weil die Häuser nicht genug Personal finden.“ Besonders dramatisch sei die Lage in der Spezialpflege für Frühgeborene, Schwerstkranke und Intensivpatienten: „Der Mangel ist schon himmelschreiend.“

Ich fürchte, dass es da bald einen großen Knall gibt.
— Jakob Maske, Bundessprecher des BVKJ

Maske zufolge werde die Situation in den kommenden drei bis vier Jahren unerträglich. Bereits vor rund zwei Jahren, als es noch keine RS-Virus-Impfungen gab, hätten Kinder aus Berlin nach Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verlegt werden müssen, weil Berliner Kliniken voll waren oder Stationen wegen fehlenden Fachpersonals geschlossen hatten.

„Solche Situationen werden wiederkehren, die Politik läuft hier sehenden Auges in die Katastrophe“, so Maske.

Die Hauptschuld am Personalmangel gibt Maske der vor sechseinhalb Jahren eingeführten generalistischen Pflegeausbildung. „Wer Kinder und Jugendliche pflegen möchte, muss vorher zwei Jahre mit Erwachsenen arbeiten“, kritisierte er. Das schrecke viele Menschen ab, deren Fokus eindeutig auf Kindern liege; sie würden dann Lehrer oder Erzieher.

Maske forderte Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) zum schnellen Handeln auf und verlangte die Rücknahme der Pflegereform von 2020. Die Einführung der generalistischen Pflegeausbildung habe großen Schaden angerichtet, bedauerte er.