Der erste Entwurf der Steuerreform von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil stößt auf breite Kritik. Die Union wirft ihm Wortbruch bei der Steuerentlastung vor, der Bund der Steuerzahler spricht von einem „Scherz oder Provokation“. Auch innerhalb der Koalition regt sich Widerstand.

Bild-Redakteur Sebastian Geisler analysierte die Steuerreformpläne. Der Entwurf sei deutlich kleiner als angekündigt, berichten mehrere Quellen. Klingbeils Ministerium verweist auf eine Entlastung von rund zehn Milliarden Euro – doch Kritiker bemängeln, dass gegenfinanzierende Maßnahmen diese Summe massiv reduzieren.

10 Milliarden Euro Entlastung

Geplante Bruttoentlastung für Bürger im Jahr 2028, wie aus dem Entwurf hervorgeht.

Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, kritisierte den Entwurf gegenüber der Augsburger Allgemeinen scharf. Der Entwurf zur Einkommensteuerreform „lese sich wie eine Giftliste“, sagte er. Statt Entlastungen seien in der Mehrzahl Belastungen enthalten. Besonders die fehlende Kompensation der kalten Progression sowie die Abschaffung des Freibetrags bei Betriebsaufgabe im Alter stoßen auf Unverständnis.

Statt Entlastungen sind in der Mehrzahl Belastungen enthalten.
— Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler

Der Entwurf sieht laut Reuters vor, das Kindergeld bis 2028 auf 272 Euro zu erhöhen, den Grundfreibetrag auf 12.900 Euro anzuheben und den Arbeitnehmer-Pauschbetrag auf 1.430 Euro zu steigern. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent soll erst ab 70.601 Euro greifen. Zudem sind Lockerungen bei steuerfreien Zuschlägen für Sonn- und Feiertagsarbeit geplant.

Doch der Gegenfinanzierung halber schrumpft die Nettoentlastung bis 2028 auf knapp fünf Milliarden Euro. Holznagel kritisiert, dass die Kompensation der kalten Progression – der schleichenden Steuererhöhung durch Lohnerhöhungen bei Inflation – nicht geplant sei. Die Abschaffung des Freibetrags bei Betriebsaufgabe im Alter sei unerklärlich, sagte er weiter.

Unternehmer im kleineren und mittleren Bereich konnten bisher von dem Freibetrag profitieren.
— Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler

Die Kritik des Steuerzahlerbunds folgt auf die frühere Kritik der Union, die Klingbeil Wortbruch vorwirft. Auch der Koalitionspartner stellt sich gegen die Pläne. Der Entwurf enthält neben Entlastungen auch Maßnahmen zur Erhöhung der Einnahmen – ein Kernpunkt der Kontroverse.