Acht große internationale Schifffahrtsverbände haben die Vereinten Nationen aufgefordert, der Einführung von verpflichtenden Gebühren oder Serviceentgelten für Schiffe, die die Straße von Hormus passieren, entgegenzutreten. Die Straße von Hormus verbindet den Golf mit dem Golf von Oman und den globalen Märkten.

In einem gemeinsamen offenen Brief, der am Montag versandt und am Mittwoch durch die International Chamber of Shipping veröffentlicht wurde, äußerten die Verbände ihre Besorgnis. Der Brief richtete sich an UN-Generalsekretär Antonio Guterres und den Generalsekretär der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO), Arsenio Dominguez.

Die Verbände warnten davor, dass verpflichtende Gebühren in der Straße von Hormus die Freiheit der Schifffahrt untergraben und die Weltwirtschaft schädigen könnten. Zudem könnten zusätzliche Kosten im maritimen Transport zu höheren Schiffs- und Energiepreisen, Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit beitragen.

Die Organisationen warnten zudem, dass die Zulassung solcher Gebühren einen Präzedenzfall für ähnliche Maßnahmen in anderen internationalen Wasserwegen schaffen und den Rechtsrahmen für die Durchfahrt schwächen könnte. Die Sicherheit der Seeleute und die Freiheit der Schifffahrt dürften bei Verhandlungen über regionale Sicherheit und Konfliktlösung nicht gefährdet werden.

Verhandlungen zwischen dem Iran und dem Oman

Parallel dazu wurde am Mittwoch bekannt, dass der Iran und der Oman eine vorläufige Verständigung über künftige Regelungen in der Straße von Hormus erreicht haben. Der iranische stellvertretende Außenminister Kazem Gharibabadi erklärte, dass die Verständigung zwischen dem Iran und dem Oman auch die Lage der Ein- und Ausfahrtrouten für den Schiffsverkehr umfasst.

Die Verständigung bedeutet nicht die vollständige Öffnung der Straße von Hormus.
— Kazem Gharibabadi, iranischer stellvertretender Außenminister

Gharibabadi fügte hinzu, dass die Einigung kurz vor dem Abschluss stehe und ein „neues und anderes Modell als die Praxis der letzten 60 Jahre“ darstelle.

Haltung der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation

Der IMO-Rat hatte bereits im Juli erklärt, dass die Durchfahrt durch die Straße von Hormus nach internationalem Recht gebührenfrei bleiben sollte. Der Rat betonte, dass jede Vereinbarung zwischen regionalen Küstenstaaten den diskriminierungsfreien und ungehinderten Transit aller Schiffe durch das international anerkannte Verkehrstrennungssystem garantieren muss.