Die Technische Universität Chemnitz hat dem thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt den Doktortitel entzogen. Grund für die Entscheidung im Januar 2026 ist der Nachweis von Plagiaten in seiner Dissertation.

Die Dissertation mit dem Titel „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf: George W. Bush gegen John F. Kerry“ wurde im Jahr 2008 abgeschlossen. Die Universität bestätigte dabei 265 Fälle von Plagiaten in der Arbeit.

265

Bestätigte Plagiatsfälle in der Dissertation von Mario Voigt

Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der TU Chemnitz wies einen von Mario Voigt eingelegten Einspruch gegen den Entzug des Doktortitels zurück. Ein Sprecher der Universität erklärte, dass das zuständige Gremium den Einspruch abgelehnt habe.

Nach rechtlicher Prüfung werden wir Klage einreichen.
— Anwalt von Mario Voigt

Die Rechtsvertretung von Mario Voigt argumentiert, dass die Entscheidung der Universität erhebliche rechtliche Fragen aufwerfe, insbesondere hinsichtlich der Bewertungskriterien und der Verhältnismäßigkeit. Zudem bezeichnete der Anwalt es als einen „beispiellosen Fall“, da die Universität den Titel entziehe, nachdem ein externer, neutraler Experte die Voraussetzungen für einen Entzug verneint habe. Laut seinem Anwalt hat Mario Voigt die Plagiatsvorwürfe bisher nicht öffentlich kommentiert; lediglich sein Anwalt hat in seinem Namen gesprochen.

Hintergrund der Vorwürfe

Die Vorwürfe gegen Mario Voigt wurden Ende des Sommers 2024 kurz vor der Landtagswahl in Thüringen durch den österreichischen Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber bekannt. Weber hatte ursprünglich 46 mutmaßliche Plagiate gemeldet, bevor er die Zahl auf 140 erhöhte.

Während des Wahlkampfs 2024 bezeichnete die CDU die Plagiatsvorwürfe als „Schmutzkampagne“. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Mario Voigt mit der CDU in der Opposition. Nach der Wahl bildete er eine Koalition aus CDU, BSW und SPD, die als „Thüringer Brombeer-Koalition“ bekannt ist, und wurde vom Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt.

Zusätzlich stand der CDU-Politiker wegen der nicht gekennzeichneten Nutzung von künstlicher Intelligenz in seinen Reden und Gastbeiträgen in der Kritik. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zog einen Gastbeitrag von Voigt zurück und archivierte ihn, nachdem bekannt wurde, dass er mithilfe von künstlicher Intelligenz verfasst worden war.

Politische Auswirkungen

Die AfD unter der Führung von Björn Höcke übte wiederholt Druck auf Mario Voigt in Bezug auf den Entzug des Doktortitels aus. Anfang Februar leitete die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag ein konstruktives Misstrauensvotum gegen Voigt ein, wobei Björn Höcke als dessen Nachfolger antrat, das Verfahren jedoch scheiterte. Mitte Mai legte die AfD-Fraktion zudem einen von Stefan Weber erstellten Expertenbericht vor, der weitere Plagiate in der Dissertation identifizieren sollte.

Laut claim:21 belastete der Plagiatsskandal den Ruf der CDU erheblich, insbesondere da er mit schlechten Wahlergebnissen bei drei Landtagswahlen im September 2026 zusammenfiel.

Voigt hat ein Recht auf eine rechtlich fundierte Prüfung und Entscheidung.
— Steffen Schütz, Infrastrukturminister von Thüringen (BSW)

Die TU Chemnitz gab an, die Prüfung der Dissertation von Mario Voigt nach den „Regeln guter wissenschaftlicher Praxis“ und mit „höchster Genauigkeit“ durchgeführt zu haben.